• Elf wichtige Milliarden

Elf wichtige Milliarden

26.06.2020

Das Coronavirus ist noch nicht Geschichte. Dank restriktiver Massnahmen und der Disziplin der Bevölkerung hat sich die Situation bei uns jedoch beruhigt, die Fallzahlen sind markant zurückgegangen. Aber niemand weiss, wie es weitergeht. Wird es eine zweite Ansteckungswelle geben? Wann kommt sie? Wie intensiv wird sie? Fragen ohne Antworten.

Eine andere zweite Welle zeichnet sich aber ab – nämlich jene der Folgeeffekte des Lockdowns in der Wirtschaft. Im zweiten Quartal sind die Stellenausschreibungen um nicht weniger als 15 Prozent zurückgegangen, und die Zahl der Arbeitslosen steigt. Zwar sind die Konsumzahlen wieder erfreulich gestiegen, von einer langfristigen Stabilität kann jedoch kaum ausgegangen werden. Und wenn bei uns – aber auch ringsherum – die Konjunktur schwächelt, geht auch die Ausgabefreudigkeit der Bevölkerung zurück. Es wird gespart, weil niemand weiss, was noch alles kommt.

In dieser Situation mutet es seltsam an, wenn für einige die wichtigste Frage zu sein scheint, wann denn wieder im angrenzenden Ausland eingekauft werden könne. Ebenso verwunderlich ist die Stimmung ennet der Grenze, wo man sich erst noch vor wenigen Wochen über zu viele Schweizer Kunden, parkplatzsuchende Helvetier und Abermillionen abzustempelnder grüner Mehrwertsteuerrückerstattungen aufgeregt hatte. Dort sehnt man sich jetzt geradezu nach den Kunden aus dem Nachbarland.

Die eben noch gerühmten Tatsachen, dass Einkaufen in der Region nachhaltig sei, der Umwelt zugutekomme, die Wirtschaft vor Ort stütze, Arbeitsstellen und damit das Auskommen vieler Familien sowie auch die wichtigen Ausbildungsplätze sichere, scheinen bereits wieder vergessen. Mindestens bis zu jenem Moment, in dem die eigenen Kinder, das Göttimeitli oder der Gottenbub eine Lehrstelle suchen – oder wenn Bund, Kantone und Gemeinden höhere Steuerfüsse traktandieren, weil die Steuereinnahmen sinken. 

Gemäss einer früheren Studie der Credit Suisse kauften Schweizerinnen und Schweizer in den vergangenen Jahren jeweils für rund elf Milliarden Franken ennet der Grenze ein. Elf Milliarden Franken, die der Schweizer Wirtschaft und uns allen fehlen – nach Corona spürbarer als je zuvor.

Markus Meier, Direktor HEV Schweiz